Key Takeaways
- Nachhaltige Mode liegt im Trend. Konsumenten berücksichtigen Umwelt- und Sozialaspekte wie den Einsatz recycelten Materials, biobasierter Fasern sowie anerkannter Siegel wie GOTS oder Fairtrade bei ihren Kaufentscheidungen.
- Fast 70 % der Deutschen halten Nachhaltigkeit in der Mode für wichtig, gleichzeitig bleiben Preis und Verfügbarkeit weiterhin zentrale Hürden beim Kauf nachhaltiger Kleidung.
- Unternehmen investieren zunehmend in geschlossene Kreislaufsysteme, um kostengünstiger und ressourcenschonender zu produzieren.
- Regulierungen wie das EU-Kreislaufwirtschaftsgesetz und Quoten für Textilabfälle treiben den Markt voran. Sie unterstützen das Innovationspotenzial und stärken langfristig das Wachstum des deutschen Marktes für nachhaltige Kleidung.
In den vergangenen Jahren hat sich der Markt für nachhaltige Kleidung in Deutschland von einer Nische zu einem sichtbaren Wachstumssegment entwickelt. Steigende Umwelt- und Sozialstandards prägen Konsumpräferenzen und verändern die Wertschöpfungskette der Modebranche zunehmend. Doch wie kann sich der Nachhaltigkeitstrend auch in Zeiten einer gedämpften Konsumstimmung behaupten?
Nachhaltigkeit in Zeiten von Fast Fashion
Das Thema Nachhaltigkeit ist auf dem Bekleidungsmarkt längst etabliert. Die Gesellschaft für Konsumforschung gab im Rahmen ihrer Studie zur Nachhaltigkeit aus dem Jahr 2022 bereits bekannt, dass Umwelt- und Sozialaspekte für 69 % der Befragten beim Kleidungskauf wichtig bis sehr wichtig sind. Besonders hohe Priorität hat Nachhaltigkeit für jüngere Generationen. Bewegungen wie Fridays for Future haben das Thema Klimawandel verstärkt in den öffentlichen Diskurs gerückt, und der sogenannte Greta-Effekt hat das Bewusstsein jüngerer Generationen für nachhaltigen Konsum geschärft.
Zertifikate und Nachhaltigkeitslabels dienen Konsumenten als Orientierungsanker am Bekleidungsmarkt. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) dient dazu, zertifizierte Bio-Baumwolle sowie Umweltstandards entlang der Lieferkette nachzuweisen. Gleichzeitig gewinnen Fair-Trade-Labels an Bedeutung, da deutsche Konsumenten neben Umweltkriterien zunehmend auch faire Löhne und Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion einfordern.
Eine Vielzahl von Bekleidungsherstellern hat sich gänzlich der nachhaltigen Produktion verschrieben. Markenhersteller wie Armedangels, Hessnatur, Lanius und Salzwasser behaupten sich erfolgreich gegen Fast Fashion, indem sie zirkuläre Herstellungsverfahren einsetzen und innovative, biobasierte Materialien verwenden.
Sustainable Chic: High-Tech-Fasern und nachhaltige Materialien revolutionieren den Bekleidungsmarkt
Der Markt für nachhaltige Bekleidung entwickelt sich stetig weiter, da kontinuierlich an der Optimierung bestehender Produktionsprozesse und der Nutzung recycelter Materialien gearbeitet wird.
Ein Beispiel hierfür ist die Verwendung von recyceltem Polyester aus PET-Flaschen. VAUDE gilt in diesem Bereich als Pionier und nutzt recyceltes Polyester aus alten PET-Flaschen für seine Rethink!-Kollektion, die im Jahr 2024 auf den Markt gekommen ist. Alle Kleidungsstücke der Kollektion werden zu mindestens 95 % aus recyceltem Mono-Polyester hergestellt, um sie später einfacher wiederverwerten zu können. Vaude wurde dafür für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert.
Biologisch abbaubare und naturbasierte Materialien wie Hanf, Leinen oder innovative Zellulosefasern gewinnen ebenfalls an Bedeutung, weil sie Robustheit mit einem geringeren ökologischen Fußabdruck als beispielsweise Baumwolle verbinden. Das Unternehmen HempAge ist gänzlich auf Hanfmode spezialisiert.
Auch der Jeanshersteller Levi’s nutzt baumwollisierten Hanf. Dabei handelt es sich um eine Technologie, die Hanffasern so weich macht, dass sie sich wie Baumwolle anfühlen, aber eine positivere Umweltbilanz aufweisen. Marken wie Armedangels oder Lanius setzen stattdessen auf Zellulosefasern der österreichischen Lenzing AG, die in einem umweltfreundlichen Verfahren aus Holz gewonnen werden. Zellulosefasern überzeugen hierbei besonders durch ihre glatte, kühlende Textur.
Leistbare Nachhaltigkeit ist das langfristige Ziel
Nachhaltige Produkte sind besonders erfolgreich, wenn der Preisabstand zu konventionellen Angeboten gering ist. Bezahlbare Nachhaltigkeit ist daher weiterhin wichtig, weil ein Teil der Verbraucher trotz hoher Ansprüche sehr preissensibel bleibt. Hohe Verbraucherpreise und eine gedämpfte Konsumstimmung haben es zuletzt erschwert, zu nachhaltigeren Optionen zu greifen. Wie aus einer aktuellen McKinsey-Studie mit dem Titel State of Fashion 2025 hervorgeht, wollen 80 % der Käufer ihre Ausgaben für Mode eher stabil halten oder reduzieren. Nachhaltigkeit wurde als weniger wichtig eingestuft.
Inmitten einer wirtschaftlich angespannten Lage erlebt der Trend zur nachhaltigen Mode jedoch kein Aus, sondern eine Verschiebung hin zu ökonomischeren Formen der Nachhaltigkeit. So ist der Trend zu Secondhand auch in den letzten Jahren weiter angestiegen. Gerade die junge Zielgruppe kauft vermehrt gebrauchte Kleidung, da dies die kostengünstigste Methode ist, den eigenen ökologischen Fußabdruck durch die Verlängerung des Produktlebenszyklus zu minimieren und so den Ressourcenverbrauch für die Neuproduktion massiv einzusparen.
Währenddessen stehen Hersteller und Händler nachhaltiger Bekleidung vor der Aufgabe, Kreislaufmodelle, den Ausbau des Online-Handelsangebots und ihre Recyclingquoten zu verbessern, ohne die Kosten zu erhöhen oder die Lieferzeiten zu verlängern.
Da seit dem 1. Januar 2025 die EU-weite Pflicht zur getrennten Textilsammlung gilt, haben viele Unternehmen im letzten Jahr ihre Systeme massiv ausgebaut, um ihre Kreislaufwirtschaft auszuweiten und so Materialkosten zu senken. So setzt beispielsweise Jack Wolfskin neben PET-Flaschen verstärkt auf die Verwertung von Textilabfällen. In aktuellen Kollektionen bestehen die Außenstoffe oftmals aus Schnittresten und alten Kleidungsstücken. Hessnatur nutzt mit seinem Second-Love-Modell ebenfalls ein geschlossenes Kreislaufsystem, um gebrauchte Kleidung zu prüfen und wiederzuverkaufen.
Regulierungen festigen den Platz nachhaltiger Mode auf dem Bekleidungsmarkt
Auf politischer Ebene treiben Regulierungen wie die EU-Strategie für nachhaltige und zirkuläre Textilien, die Ecodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte und Vorgaben zur getrennten Sammlung von Textilabfällen den Transformationsdruck in der Bekleidungsindustrie zusätzlich voran. Auch strengere EU-Richtlinien gegen Greenwashing sowie die Einführung digitaler Produktpässe werden die Transparenz im Bereich Nachhaltigkeit im Jahr 2026 stärken und nachhaltige Mode in Zukunft unterstützen.
Final Word
Auch im Jahr 2026 rückt die Kreislaufwirtschaft am Bekleidungsmarkt in den Fokus. Der Boom nachhaltiger Kleidung wird durch wachsendes Umweltbewusstsein der Konsumenten und eine politische Nachhaltigkeitsstrategie getragen. Wie stark sich nachhaltige Mode im Massenmarkt durchsetzt, hängt maßgeblich davon ab, ob es der Branche, unterstützt durch Politik und neue Innovationen, gelingt, nachhaltige Produkte preislich wettbewerbsfähig, transparent und flächendeckend verfügbar zu machen.

